Ronny Blaschke liest im Ostkurvensaal aus seinem Buch „Angriff von Rechtsaußen – Wie Neonazis den Fußball missbrauchen“

Ronny Blaschke liest am Samstag, den 26.11.2011, um 19:00 Uhr im Ostkurvensaal des Bremer Weserstadions aus seinem neuen Buch „Angriff von Rechtsaußen – Wie Neonazis den Fußball missbrauchen“. Veranstaltet wird die Lesung von Racaille Verte in Kooperation mit dem Fan-Projekt Bremen. Der Ostkurvensaal öffnet bereits um 17:30 Uhr zu Snacks, Kuchen, Getränken und Musik.

Im Fußball sehen Rechtsextremist_innen ein Feld, in dem sie ihre menschenverachtenden Ansichten verbreiten und neue Anhänger_innen gewinnen können. Dass sie dabei in einzelnen Fällen besorgniserregende Erfolge verzeichnen können, beweist das neue Buch des Berliner Journalisten Ronny Blaschke: „Angriff von Rechtsaußen“.

Der Autor befasst sich seit Jahren mit dem rechtsextremen Treiben im Fußball und liefert eindringliche Beispiele: In Leipzig unterwandern Neonazis die Fanszene, in Lüdenscheid amtiert ein NPD-Funktionär als Schiedsrichter, in Wetzlar als Jugendtrainer. Neonazis gründen Sportvereine, um Jugendliche an ihre Kameradschaften heranzuführen; sie nutzen Fußballturniere zur Vernetzung und zur Stärkung ihrer Gruppenidentität. Musik, Kleidermarken, Internet sind die rechtsextremen Medien, über die sie ihre Gesinnung wirksam in den Fanszenen präsentieren und verbreiten.

Ronny Blaschke lässt Neonazis und Gegen-Aktivist_innen zu Wort kommen. Er beschreibt, wie Rechtsextreme das Verständnis von Demokratie und Toleranz im Fußball nachhaltig schädigen. Mit seinem sorgsam recherchierten und spannend verfassten Buch liefert er eine längst fällige Bestandsaufnahme – und ein Plädoyer für eine politische Diskussionskultur im Sport.

Das Buch wird es in der Boutique de la Racaille zu erwerben geben. Selbige wird ausnahmsweise auch für die Lesung geöffnet sein.

Lesung: Ronny Blaschke: „Angriff von Rechtsaußen – Wie Neonazis den Fußball missbrauchen“
Datum: Samstag, 26.11.2011; 19.00 Uhr
Ab 17:30 Uhr: Kuchen, Snacks, Getränke und Musik
Ort: Ostkurvensaal, Weserstadion Bremen
Eintritt frei!

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Radio Bremen fragt, wir antworten

Radio Bremen hat in seiner Regionalsendung buten un binnen einen kleinen Beitrag (wahrscheinlich etwa eine Woche lang erreichbar, hier der etwas längerfristig verfügbare Text) über die aktuelle Debatte zu Pyrotechnik und ihre unmittelbare Auswirkungen in Bremen gebracht. Er ist, mal abgesehen von der völlig wirren Anmoderation (“ohne Pyrotechnik gehen Ultras gar nicht erst ins Stadion”), einigermaßen gut recherchiert und bringt verschiedene Standpunkte. Dass sich bei der Recherche Mühe gegeben wurde, wussten wir vorher, hatten wir doch eine ganze Reihe Fragen bekommen und per Mail beantwortet. Da lediglich eine (und so ziemlich die banalste) Aussage von uns ihren Weg in den Clip gefunden hat, möchten wir hier alles weitere nachreichen – auch weil wir glauben, dass das Interview recht umfassend unsere Meinung darstellt und wir uns so das Abfassen eines langen Positionspapiers sparen. Voila:

b&b: Wie steht ihr als Ultras zum Abbrennen von Pyrotechnik (Bengalos)?

RV: Man muss hier differenzieren. Bengalische Fackeln sind für uns elementarer Bestandteil der Fankultur und wir glauben, dass man sie sicher einsetzen kann. Wir setzen uns szeneintern dafür ein, dass sie nicht geworfen werden, da sie dann nicht mehr kontrollierbar sind. Knaller und Leuchraketen hingegen sind immer unkontrollierbar und können schwere Verletzungen verursachen, daher lehnen wir ihren Einsatz ab.

b&b: Warum gehört das (zumindest bei Teilen der Ultras) zu gelungenen Choreografien und guter Stimmung dazu?

RV: Feuer verleiht einem abendlichen Spiel ein ganz anderes Flair. Es vermittelt eine aufgeheizte, euphorische Stimmung und zeigt der Mannschaft an: Wir brennen für euch, gebt alles! Das pusht einfach ungemein. Bunter Rauch kann einer Coreographie eine zusätzliche Dimension geben.

b&b: Inwiefern spielen da die Wurzeln der Ultras im südeuropäischen Raum eine Rolle?

RV: Der südeuropäische Raum und Südamerika sind Ursprung unserer Idee von Fandasein, ganz klar.

b&b: Wie beurteilt ihr die abgebrochenen Gespräche zwischen DFB und Ultra-Vertretern? Wäre für Euch ein kontrolliertes Abbrennen von Bengalos denkbar?

RV: Ja, auch wenn sicher noch zu klären wäre, was “kontrolliert” konkret bedeutet. Wir glauben eigentlich, dass es ausreichend ist, dass alle Anwesenden über den Einsatz von Pyrotechnik informiert sind und die Fackeln in der Hand gehalten werden. Von abgesperrten Bereichen, in denen sich dann zehn geschulte Pyrotechniker aufhalten, halten wir nichts.

b&b: Wie beurteilt ihr das harte Durchgreifen von DFB, Polizei und Vereinen gegen Pyrotechnik?

RV: Es ist schon bemerkenswert, dass es in den letzten Wochen überall gebrannt hat, darüber ausgesprochen viel berichtet wurde, es aber nirgends Meldungen über Verletzte gab. Währenddessen hat die Polizei durch den Einsatz von Pfefferspray und anderen Reizgasen dutzende Verletzte zu verantworten. Es bedarf wohl keiner weiteren Erläuterung, dass die Polizei hier nicht nur überreagiert, sondern völlig falsch handelt.

b&b: Habt ihr Verständnis dafür, dass Werder sich die Geldstrafen bei den Verursachern zurückholen will?

RV: Nicht wirklich. Wir würden es begrüßen, wenn Werder gegen die Strafen vorgehen würde. Die sind ja nicht gottgegeben, und insofern sind nicht nur diejenigen Verursacher_innen, die zündeln, sondern auch die, die die Strafen festlegen. Die Vereine könnten ja auch sagen: “Es wurde niemand verletzt, was ist das Problem? Wir wollen eine lebendige Fankurve, und werden dafür nicht weiterhin bezahlen.”

b&b: Polizei und Vereine betonen die Gesundheitsgefahren von Bengalos. Seht ihr diese Gefahr auch? Wie steht ihr dazu?

RV: Die Gefahren entstehen überwiegend durch die Illegalität. Wenn man versteckt zündeln muss, liegen die Fackeln auf dem Boden, rollen dort umher. Wenn zuviel auf einmal in Brand gerät, kann es zu einer Stichflamme kommen. Das ist gefährlich, keine Frage. Beides ist vermeidbar, wenn man die Bengalos in der Hand halten darf.
Es heißt immer wieder und leuchtet durchaus ein, dass Menschen mit Atemwegskrankheiten Probleme kriegen können. Wenn man vorher ankündigen könnte, dass gezündelt wird, könnten diese Menschen den entsprechenden Bereich meiden.
Ein Restrisiko bleibt immer, aber es fordert ja auch niemand ernsthaft, das Autofahren zu verbieten.

b&b: Beobachtet ihr eine Trotzreaktion der Fan-Szene gegen dieses harte Durchgreifen und den Abbruch der Gespräche?

RV: Ja.

b&b: Aus welchem Grund wird Pyrotechnik eigentlich nur von Auswärtsfans eingesetzt?

RV: Das stimmt so allgemein nicht. Die Bremer Gruppen halten es jedenfalls traditionell so, um das Vertrauensverhältnis mit dem Verein nicht zu gefährden.

b&b: Fühlt ihr Euch kriminalisiert, z.B. wenn Pyrotechnik und Gewalt bzw. Ultras und Gewalt in einen Topf geworfen werden?

RV: Kriminalisiert sind de fakto alle diejenigen, die Pyrotechnik einsetzen. Das Phänomen, auf das Sie anspielen, ist vielmehr eins von schlechtem Journalismus. Da wird sich einfach nicht die Mühe gemacht, zu differenzieren, die Vorgänge zu durchdringen und präzise zu beschreiben. Der Einsatz von Pyrotechnik ist keine Gewalt, das ist eigentlich sehr einfach.

b&b: Was wären Eure Erwartungen an DFB, Polizei und Vereine?

RV: In der derzeitigen, aufgeheizten Situation wäre unsere erste Erwartung, dass sie sich beruhigen und ihre populistische Hetze gegen die Fans einstellen. Die Polizei soll aufhören, sich als Retter in der (nicht vorhandenen) Not zu profilieren und aufhören,* sinnlos Menschen zu verletzen. Die Vereine und der DFB sollten akzeptieren, dass es eine Fankultur gibt, die ihre Freiheiten fordert und darauf vernünftig eingehen.

*Die Dopplung ist uns erst im Nachhinein aufgefallen, die Streichung ist ein Kompromiss zwischen Lesbarkeit und Redlichkeit.

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Wir sammeln: Kleidung

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie einige von euch wohl schon mitbekommen haben, ist es grade in dieser Region wieder etwas kälter geworden, der Herbst und der darauf folgende Winter klopfen langsam an der Tür an! Zeit für euch, eure Kleiderschränke auszuräumen, denn nicht jedem geht es finanziell so gut, so dass weitere warme Kleidungsstücke für manch Person purer Luxus sind..! Deswegen rufen wir, Racaille Verte, euch dazu auf, kommt bei uns am Stand vorbei und bringt eure Klamotten, die ihr entbehren könnt, vorbei! Wir werden diese dann die kommenden Heimspieltage sammeln und an Bedürftige weiterleiten!

Racaille Verte

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Wieder nur Werbung im Briefkasten? Das muss nicht sein.

Abhilfe schafft die brandneue Nummer 33 der “Parole de la Racaille”.

Ab 5 Ausgaben gibt es unser Magazin wieder im Versand. Das kostet 3,50€ pro Heft plus 2,-€ Versandkostenpauschale. Schreibt einfach eine mail an info<at>racaille.de und freut Euch auf tiptop Lesespaß mit u.a. diesen Themen:

Wir haben auf 130 Seiten viele, viele Buchstaben aneinander gereiht, die Ihr zu sinnvollen Sätzen verbinden dürft.

Natürlich gibt es die Parole neben den anderen bunten Sachen auch bei den kommenden Heimspielen an unserem Stand am/im OKS.

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Rechte Gewalt stoppen! Schluss mit der Verharmlosung von rechter Gewalt! Schluss mit der Entpolitisierung von Prozessen!

MITTWOCH, 28.​09.​2011
17:00 Uhr
OSTKURVENSAAL / Weserstadion

Im Januar 2007 wurde die erste Jubiläumsfeier der Ultrà-​Gruppe „Racaille Verte“, welche im Ostkurvensaal des Weser-Stadions stattfand, von rechten Hooligans überfallen. Hintergrund des Angriffs war die öffentliche Positionierung von „Racaille Verte“ als antirassistische Fußballfangruppierung sowie die überwiegende Distanzierung der Ultrà-​Szene von rechten Ideologien. Es wurde gezielt eine Person verprügelt und dabei schwer verletzt. Weitere Partygäste wurden bespuckt und geschlagen. Gegenstände wurden durch den Saal geworfen. Zwei Personen mussten im Krankenhaus behandelt sowie mehrere Verletzte notärztlich ver­sorgt werden. Weitere Angriffe wurden angedroht, wenn an der antirassistischen Position festgehalten werden würde. Die Teilnehmer an dem Angriff sind teilweise in rechten Strukturen, wie z.B. regionalen Kameradschaften, organisiert und mehrfach auf NPD-​Veranstaltungen beobachtet worden. Sie sind Mitglieder der rechten Gruppen „Standarte Bremen“ und „Nordsturm Brema“ (NSHB) bzw. deren Umfeld.

Aufgrund von Zeug_innenaussagen hat die Staatsanwaltschaft nach über viereinhalb Jahren (!) einen Prozess gegen sieben Angreifer angestrengt. Diese skandalöse Verzögerung hängt nicht etwa, wie von Seiten der Justiz behauptet, mit Aussageverweigerungen der Zeug_innen zu sammen. Diese hatten sich mehrheitlich bereits drei Monate nach dem Angriff zur Verfügung gestellt. Die tatsächlichen Ursachen für den derart verspäteten Prozessbeginn bleiben also weiterhin unklar.

Am vergangenen Donnerstag, den 22.​09.​2011, begannen die Verhandlungen im Amtsgericht Bremen. Dabei wurde seitens des zuständigen Richters eine Verkürzung des Verfahrens vorgeschlagen. Sollten Staatsanwalt und Verteidigung diesem Vor­schlag zustimmen, würden die Angeklagten mit schockierend milden Strafen davonkommen. Das Verfahren könnte bereits am zweiten Verhandlungstag (Donnerstag, den 29.​09.​2011) beendet sein. Ein solcher Ausgang wäre in vielerlei Hinsicht folgenschwer. Ein Umstand, der von der Justiz offensichtlich billigend in Kauf genommen wird.

Denn zu dem Ausmaß des Falles gehören massive Einschüchterungsversuche gegenüber Zeug_innen. Eine Strategie, von der nicht einmal bei Prozessbeginn abgesehen wurde. Ganz im Gegenteil kam es zu Beschimpfungen und dem Abfotografieren von Prozessbeobachter_innen und Journalist_innen. Weder der Richter noch das Justizpersonal oder die Polizei schritten dabei ent­scheidend ein. Alle, die sich couragiert bereit erklärt haben, auszusagen, sind nun den Nazis über Gerichtsakten namentlich be­kannt. Jetzt seitens des Gerichts einen harmlosen Deal vorzuschlagen, der in seiner Wirkung nicht einmal einem „Schuss vor den Bug“ gleichkommt, steht in keinem Verhältnis zu dem Risiko, das die Zeug_innen auf sich genommen haben. Dies und die Ansetzung vor der niedrigsten Instanz zeigen auf, dass die Justiz die Dimension des Verfahrens nicht erkannt hat.

Der Vorschlag von Geldstrafen, teilweise auf Bewährung, wird dem politischen Charakter nicht gerecht. Die Chance, ein klares Zeichen gegen die Gewalttätigkeit von Nazis setzen zu können, würde dadurch verpasst werden. Menschen, die sich gegen die faschistischen Strukturen positionieren, würden von der Justiz alleine gelassen werden. Die Aussage des Amtsgerichts, mit dem vorgeschlagenen Übereinkommen den „Konflikt zu befrieden“, entbehrt jeglicher Realität. Es handelt sich auf keinen Fall um „innerfamiliäre Streitigkeiten“ (Verteidigung), stattdessen ist mit weiteren Übergriffen zu rechnen – erst recht, wenn die Angeklagten durch ein mildes Urteil dazu ermuntert werden. Denn eine zögerliche Rechtsprechung würde die Angeklagten sowie deren Umfeld in ihrem Handeln bestärken.

Um auf den Justizskandal aufmerksam zu machen, rufen wir zu einer Demo am Mittwoch, den 28.​09.​2011, um 17:00 Uhr auf. Vom Ort des Angriffs, dem Ostkurvensaal am Weser-​Stadion, gehen wir zum Amtsgericht Bremen. Damit setzen wir ein Zeichen gegen das unfassbare Vorgehen der Bremer Justiz und zeigen, dass die Einschüchterungsversuche der Nazis nicht fruchten.

Rechte Gewalt nicht als szenetypischen Konflikt verharmlosen! Wir lassen uns nicht einschüchtern!

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Das völlig falsche Signal!

Wir dokumentieren hier die heutige Pressemitteilung des Fanprojekts:

Das Amtsgericht Bremen hat zum Prozessauftakt zum Überfall auf den Ostkurvensaal vor über 4 Jahren die Beendigung des Verfahrens gegen die Angeklagten gegen Bußgeld und ein Geständnis vorgeschlagen. Die 7 Angeklagten müssen dem nur noch zustimmen.

Klar ist jetzt, dass das Amtsgericht davon ausgeht, dass es sich um einen Konflikt unter zwei Fangruppen von Werder handelt und dass die Beendigung des Verfahrens die Szene befriedet. Dies ist nicht der Fall, sondern im Gegenteil. Zumal es sich nicht um Konflikte zweier wie auch immer gearteter Fangruppen handelt, sondern um einen Überfall von Neonazis und Nazihooligans auf die Feier einer antirassistischen Fangruppe, um diese einzuschüchtern, mundtot zu machen und ihre antirassistische Arbeit beim Fußball zu verhindern.

Die betroffenen Fans und das Fan-Projekt Bremen gehen nun davon aus, dass sie bei Beendigung des Verfahrens wieder Zielscheibe von erneuten körperlichen Übergriffen werden. Zudem kommt eine Beschädigung des Rechtsstaatverständnisses hinzu. So ist das Vertrauen in die verantwortlichen Behörden und Beamten bei den Werderfans schwer beschädigt, wenn nicht sogar erschüttert.

Höchst problematisch war auch das Verhalten der Richter und der Beamten während des Prozesses. So konnten die “Unterstützer” der Angeklagten sich vermummt im Zuschauerraum aufhalten und Zuschauer des Prozesses ungehindert fotografieren. Als ein Mitarbeiter des Fan-Projekts einen Beamten darauf aufmerksam macht, wurde er von einem der vermummten “Zuschauer” bedroht und von einem der Verteidiger der Angeklagten gemaßregelt. Der Richter, als auch ein Justizbeamter griffen nicht ein. Da stellt sich die Frage: Wer war hier eigentlich der Herr des Verfahrens?

Generell stellt sich die Frage, warum wurde weit über 4 Jahre ein Prozess angestrebt, der nun so schnell wie möglich wieder beendet werden soll?

Das Fan-Projekt Bremen fordert deshalb alle zivilgesellschaftlichen Gruppen auf, dieser Verharmlosung von neonazistischen Aktivitäten in Bremen entgegen zu treten und sich mit den Betroffenen Werderfans zu solidarisieren.

Dem können wir uns nur anschließen. Stay tuned!

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Stadionverbote auf Bewährung ausgesetzt – Ein Modellversuch in Bremen

Die Stadionverbotler sind wieder drin – Endlich! Über die Sommerpause hat unsere Fanbetreuung ein Konzept ausgearbeitet und durchgesetzt, welches es den Stadionverbotlern ermöglicht, wieder in der Kurve zu stehen.  Unsere Freunde stehen wieder bei uns und ihre Zeit vor den Toren der Stadien und in den Kneipen ist vorbei. Es ist ein unglaublich schönes Gefühl, die Leute wieder neben sich zu haben. Alle Stadionverbotler aus der Ultraszene haben zu Saisonbeginn die Möglichkeit bekommen, das Bewährungskonzept unter bestimmten Voraussetzungen anzutreten. Dafür bedanken wir uns ganz herzlich bei allen, die das ermöglicht haben!

Wir verfolgen mit diesem Text allerdings nicht nur die Intention, unserer Freude darüber Ausdruck zu verleihen und unsere Dankbarkeit auszusprechen; wir möchten ebenfalls ausdrücklich daran erinnern und darauf aufmerksam machen, wie willkürlich und unsinnig die Sanktion „Stadionverbot“ als solche ist. Die Stadionverbote sind größtenteils ausgesetzt und ihre Praxis hat sich (zumindest in Bremen) verändert. Dennoch existieren in anderen Städten weiterhin Stadionverbote, die teilweise für Nichtigkeiten ausgesprochen werden – wie zum Beispiel für das Verkleben eines Aufklebers.

Die Grundsätze des Modells „Stadionverbote auf Bewährung“

Die Grundidee des Modellprojekts ist die „(Re-)Integration des Stadionverbotlers und die Stärkung bestehender Normen“ (Zitat: Bewährungskonzept). Im Mittelpunkt steht die Aussetzung des Stadionverbots auf Bewährung. Die Maßnahme beinhaltet Vorgespräche, die Ableistung von Arbeitsstunden im Rahmen einer gemeinnützigen Tätigkeit bei Werder Bremen oder dem Fan-Projekt sowie eine Abschlussevaluation.

Zu den wichtigsten Rahmenbedingungen gehören:

- Die Teilnehmer_innen sollen grundsätzlich das 30. Lebensjahr nicht überschritten haben.
- Die Teilnahmemöglichkeit wird der betreffenden Person nur einmal angeboten.
- Für jeden Monat des Stadionverbots werden drei Arbeitsstunden fällig (bei einem Stadionverbot von drei Jahren (maximale Laufzeit) wären das 108 Arbeitsstunden.
- Ein Stadionverbot kann bundesweit ausgesetzt werden, insofern es von Werder Bremen ausgesprochen wurde.
- Wurde das Stadionverbot vom DFB oder einem anderen Verein ausgesprochen, so stellt Werder Bremen, nach Einwilligung des Betroffen zur Maßnahme, einen Antrag. Nach dem Einverständnis des DFB bzw. des Vereins kann das bundesweite Stadionverbot auf Bewährung ausgesetzt werden.
- Voraussetzung für die Anwendung des Modells ist die Unterzeichnung des Fan-Ethik-Kodex’ – entweder persönlich oder per Fanclub- bzw. Ultra-Gruppen-Unterzeichnung.
- Die Maßnahme wird durch Teilfinanzierung von dem Beschuldigten, einem Werder-Fan-Fond und Werder Bremen ermöglicht.

Verlauf des Projekts

Hat die betroffene Person ihre Einwilligung zu der Maßnahme erklärt, wird das Stadionverbot zur Bewährung ausgesetzt – entsprechend der im Konzept vereinbarten Rahmenbedingungen. Die Rahmenbedingungen sind am Anfang dieses Konzepts kurz wiedergegeben. Ansonsten sind sie im Internet zu finden (siehe im Anhang den Link zu »Das Bremer Konzept „Stadionverbote auf Bewährung“«).

Die Durchführung des Projekts findet in Kooperation mit dem Fan-Projekt und dem Täter-Opfer-Ausgleich statt. Jeweils zu Beginn und am Ende des Projekts werden Gespräche zwischen einem/r Mitarbeiter_in des Täter-Opfer-Ausgleiches sowie der betroffenen Person geführt. Zu Beginn werden verschiedene Angebote zur Ableistung der Arbeitsstunden gemacht, aus denen die betroffene Person dann auswählen muss. Sie muss die entsprechenden Stunden ableisten, sich also bewähren.

Ist das Stadionverbot auf Bewährung ein faires Stadionverbotskonzept?

Der Umgang mit Stadionverboten hat sich zumindest in Bremen deutlich verbessert. Dennoch gibt es auch an diesem Konzept genug Punkte, die kritisiert werden können und müssen.

Zuallererst stellen wir das Stadionverbot als solches in Frage. Präventivstrafen und Präventivmaßnahmen erfolgen eben logischerweise ohne vorheriger nachgewiesener Schuld. Präventivstrafen erfolgen häufig aufgrund von Gefahrenprognosen, die in dem Fußballkontext mehr als selten über das Ziel hinausschießen und wenig mit der wirklichen Realität zu tun haben.

Zudem kommt dazu, dass außerhalb der Stadien häufig weitaus mehr gewalttätige Auseinandersetzungen und Zwischenfälle stattfinden als dies im Stadion selbst der Fall ist. Durch das Stadionverbot werden also höchstwahrscheinlich keine Straftaten oder Zwischenfälle verhindert.

Natürlich könnten wir die gesamte Maßnahme des Stadionverbots noch weitaus länger kritisieren, hier wollen wir aber hauptsächlich auf das neue Bremer Konzept eingehen.

Ein Problem mit diesem Konzept besteht unsererseits darin, dass mensch mit Antritt des Konzepts das Stadionverbot als solches offiziell akzeptiert und anerkennt.

Personen müssen Bewährungsauflagen erfüllen und Strafzahlungen ableisten, obwohl ihnen keinerlei Schuld nachgewiesen wurde.

Natürlich haben auch unsere Stadionverbotler das Angebot allesamt angenommen, um schnell wieder ins Stadion zu gelangen. Völlig zufrieden können wir damit aber nicht sein – das richtige Übel, nämlich die Stadionverbotspraxis, wird damit nicht beseitigt. Zusätzlich treten einige weitere Punkte auf, die wir nicht befürworten:

Bei Problemen während des Verlaufs der Bewährungsmaßnahme wird das Stadionverbot wieder in Kraft gesetzt und die einmalige Möglichkeit an der Maßnahme wird der betroffenen Person kein zweites Mal gewährt. Was passiert zum Beispiel, wenn eine Person zweimal ein Stadionverbot bekommt? Was ist, wenn eine Person, die bereits über 30 ist, ein Stadionverbot erhält? Dem Konzept liegt der Glaube an einen gerechten Rechtsstaat zugrunde, den selbst die Bürgerlichen und die Jurist_innen unter den aktiven Fans nicht teilen werden.

Das Konzept zeigt also diverse offene Fragen und Probleme auf, ist aber dennoch eine große Veränderung und hoffentlich ein neuer Anstoß in der Debatte um Stadionverbote.

Es geht ums Ganze!

Das Konzept ist zwar ein ganz neuer und großer Fortschritt, dennoch ist es noch immer nicht das, was wir uns vorstellen. Es reicht nicht aus, erst dann anzusetzen, wenn die Stadionverbote bereits bestehen.

Stadionverbote unterliegen dem Hausrecht und können somit willkürlich von den Vereinen ausgesprochen werden. Der betroffenen Person muss dabei nicht einmal eine Schuld nachgewiesen werden; und selbst bei der Einstellung eines eventuellen Verfahrens oder einem Freispruch bleibt das Stadionverbot in der Regel bestehen. In Deutschland bestehen derzeit um die 3.000 Stadionverbote, die aus den unterschiedlichsten Gründen ausgesprochen wurden.

- Wir fordern alle Vereine und den DFB auf, das Konzept aus Bremen zu übernehmen und gemeinsam mit Fanbetreuer_innen, Fan-Projekten und Fanorganisationen zugunsten der Betroffenen weiterzuentwickeln.
- Wir fordern eine Überprüfung aller bestehenden Stadionverbote und daraus folgend eine Aufhebung aller Stadionverbote, bei denen eine Schuld nicht eindeutig nachgewiesen wurde!
- Zudem fordern wir den DFB und die Vereine auf, keine präventiven Stadionverbote mehr auszusprechen, sondern stattdessen die präventive Arbeit der Fan-Projekte zu unterstützen!
- Wir fordern eine ergebnisoffene Debatte um die gesamte Maßnahme der Stadionverbote!

Was wir tun können:

Es reicht nicht, mit dem Finger auf die anderen zu zeigen – auch wir Ultras und Fans müssen uns mit unserem eigenen Verhalten auseinandersetzen.

Wir wünschen uns eine Kurve, die laut, bunt, kreativ und antifaschistisch ist. Wir wünschen uns eine Kurve ohne Polizist_innen und Ordner_innen. Wir wünschen uns eine Kurve, in der wir Fans und Ultras uns selbst regulieren und in der es keine Einschränkungen und Verbote von Institutionen mehr gibt.

Weil wir uns all das wünschen und weil wir das auch erreichen wollen, rufen wir alle dazu auf, sich mit den eigenen Verhaltensweisen und Einstellungen auseinander zu setzen. Lasst euch zum Beispiel nicht von Ordner_innen oder Polizist_innen provozieren und gebt ihnen keinen unnötigen Anlass dazu, gegen uns vorzugehen. Wir wollen uns gemeinsam Freiräume schaffen! Weg mit den Einschränkungen von Fahnen und Doppelhaltern! Weg mit dem Verbot von Pyrotechnik! Falls es doch zu einem Angriff von Ordner_innen und/ oder Polizist_innen auf den Block kommt, verhaltet euch solidarisch und lasst die Betroffenen nicht alleine stehen!

Für eine freie Kurve! – Gegen Stadionverbote!
Racaille Verte im September 2011

Zum Weiterlesen:

Das Bremer Konzept „Stadionverbote auf Bewährung“ (pdf)

Eine Einschätzung zu Stadionverboten der „AG Fananwälte“

Ein sehr lesenswertes Interview mit zwei Juristen zum Thema

Interview mit einem Verfassungsrechtler

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Informationen zum Sonderzug nach Kaiserslautern

Zum Saisonabschluss wird es einen hammerharten Sonderzug nach Kaiserslautern geben. Die neuesten Infos bekommt Ihr jetzt, aber verfolgt immer noch einmal www.racaille.de oder die Nachrichten auf werder.de.

Der Zug hat 900 Plätze auf zehn Abteile verteilt. Die mittleren Abteile sind reserviert für einzelne Fanclubs und Ultragruppen. Der vordere und hintere Teil ist frei zugänglich. An den beiden Seiten des Mittelteils gibt es Essen und Trinken zum Preis von 1-2€. Im Angebot sind Beck’s, Haake, Alster, Mate, Fanta, Cola, Sprite und Wasser. Dazu gibt es Gemüse- und Fleischfrikadellen im Brötchen sowie Snacks à la Mars, Snickers oder Twix. Die Gewinne gehen in eine Choreokasse für die Ultragruppen.

Es sind genug Mülltüten vorhanden, damit Ihr in Eurem Abteil für Sauberkeit sorgen könnt. Alle sind gefordert, Ihren Bereich zu überwachen. Wer sich dabei zu wenig Mühe gibt oder sich nicht kooperationsbereit zeigt, wird bedenkenlos an einem Zwischenbahnhof ausgesetzt. Wir wollen ein respektvolles Miteinander und eine angenehme Reise für alle Grün-Weißen.

Die T-Shirts wird es im Zug geben, nur falls welche übrig bleiben, werden diese am Stadion verkauft. Haltet einfach die Augen offen. Es wäre trotzdem cool, wenn viele von Euch in weiß erscheinen.

Wer jetzt noch keine Karte hat, sollte sich im Internet umschauen oder zur Not noch einmal beim Ticketcenter anrufen. Im Anhang gibt es die Abfahrtszeiten und wir sehen uns am Samstag.

Hinfahrt
05:47h Abfahrt Bremen Hbf; Gleis 5
06:01h Abfahrt Achim; Gleis 1
06:19h Abfahrt Verden (Aller); Gleis 1
06:38h Abfahrt Nienburg (Weser); Gleis 3
13:02h Ankunft Kaiserslautern Hbf

Rückfahrt
18:54h Abfahrt Kaiserslautern Hbf; Gleis 1
01:34h Ankunft Nienburg (Weser)
01:56h Ankunft Verden (Aller)
02:09h Ankunft Achim
02:22h Ankunft Bremen Hbf

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T-SHIRTS UND MIXTAPES!

Hallo Hallo,

im Sonderzug wird es von uns ein T-Shirt geben, welches ihr für 5 Euro erwerben könnt.

Desweiteren ist bei uns ein neues Mixtape eingetroffen, erhältlich, am Samstag, bei uns am Stand im OKS!

Musikrichtung: Hip Hop / Oldschool!

Kostenpunkt: 3 Euro!

Zusammen mit der antiRepressiVa-CD für nur 6 Euro!

In diesem Sinne,

Alles für den SVW!

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Fahrplan des Sonderzuges zum Saisonabschluss nach Kaiserslautern

Liebe Werderaner_innen,
dies sind nun die aktuellen Abfahrtszeiten und die Gleisbelegungen für den Sonderzug am Samstag, 14.05.2011, nach Kaiserslautern.

Hinfahrt
05:47h Abfahrt Bremen Hbf; Gleis 5
06:01h Abfahrt Achim; Gleis 1
06:19h Abfahrt Verden (Aller); Gleis 1
06:38h Abfahrt Nienburg (Weser); Gleis 3
13:02h Ankunft Kaiserslautern Hbf

Rückfahrt
18:54h Abfahrt Kaiserslautern Hbf; Gleis 1
01:34h Ankunft Nienburg (Weser)
01:56h Ankunft Verden (Aller)
02:09h Ankunft Achim
02:22h Ankunft Bremen Hbf

Racaille Verte

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