Liberté pour Santos!

Wie einige von Euch sicherlich bemerkt haben, präsentierten wir bei den Spielen zu Hause gegen Köln und Inter sowie in Karlsruhe ein Transparent mit der Aufschrift “Liberté pour Santos”. Auch beim Spiel gegen Wolfsburg gab es eine kleine (und leider misslungene) Aktion bezüglich der Repressionen gegen Ultras im Allgemeinen, aber auch insbesondere bezüglich des Falles Santos Mirasierra.

Was hat es damit auf sich?

Beim Champions-League-Spiel Athletico Madrid gegen Olympique Marseille am 01. Oktober 2008 kam es zu einem Polizeieinsatz seitens der spanischen Guardia Civil gegen das “Commando Ultra 84″ aus Marseille. Die Polizei beanstandete das Symbol der Gruppe – einen Totenkopf – als vermeintlich faschistisch und rechtfertigte damit den Einsatz. Es sei angemerkt, dass das CU84, wie die gesamte Fanszene von Olympique de Marseille, dem antirassistischen Spektrum zuzurechnen ist und der Einsatz somit nicht gerechtfertigt war. Darüberhinaus gilt es festzuhalten, dass der Einsatz überaus gewalttätig vonstatten ging (dies ist in mehreren Videos im Internet deutlich dokumentiert) und sich, laut Augenzeugenberichten, vor allem gegen dunkelhäutige OM-Anhänger richtete.

Ein betroffenes Mitglied des CU84 ist Santos Mirasierra. Er wurde in Folge des Polizeieinsatzes festgenommen. Der Vorwurf lautete, er habe einen Polizisten mit einer Sitzschale mutwillig verletzt. Dies wurde bei der Gerichtsverhandlung am 3. Dezember 2008, wie auch auf den Videos klar ersichtlich, dementiert. Stattdessen gab Santos zu Protokoll, dass er einen Polizisten weggeschubst habe, um einer jungen Frau zu Hilfe zu kommen. Hierfür wurde er zu dreieinhalb Jahren Haftstrafe verurteilt. Jedoch wurde er am 9. Dezmeber 2008 (gegen Zahlung einer Kaution in Höhe von 6000 Euro) bis zum Beginn der Berufungsverhandlung freigelassen.

Mit der Forderung “Liberté pour Santos” beanstanden wir nicht nur das erneute Fehlverhalten der Guardia Civil (Schalker und Münchener Anhänger können von ähnlichen Vorfällen berichten) während des Spiels, sondern vor allem auch, wie der Fall zu einem franco-spanischen Politikum gemacht wurde, deren Opfer der Mensch Santos Mirasierra, sowie seine Familie und seine Freunde sind. Sowohl die spanischen Medien als auch die Behörden versuchten das Fehlverhalten der Guardia Civil zu vertuschen, indem sie das CU84 als eine Bande wilder Nazis darstellten, welche die Polizei angegriffen hätten. Die Arbeit des CU84 sowie die Bilder des Abends sprechen eine deutliche Sprache, welche definitiv anders klingt. Darüber hinaus wird die Schuld auch bei der Stadt Marseille gesucht, welche spanischen Medien zu Folge gesetzlos sei. Schnell wird klar, dass es sich bei den Verlautbarungen der Polizei, sowie den Berichten der Medien, um propagandaartige Berichte handelt, mit denen versucht wird, das Fehlverhalten der Guardia Civil zu vertuschen, um die Schuld den Franzosen zuzuschieben. Offensichtlich dauert es in Spanien länger, bis die Fehler der Polizei seitens der Justiz aufgearbeitet sind und diese sich auch eingestanden werden. So ist es auch zu erklären, weshalb Santos ungewöhnlicherweise mehr als 2 Monate auf seinen Prozess warten musste. In der Regel werden Ausschreitungen bei Fußballspielen in Spanien innerhalb kürzester Zeit, das heißt maximal eine Woche, abgehandelt. Im Falle Santos handelt es sich offensichtlich um den Versuch, vom Versagen der Exekutive mittels Zeitspiel abzulenken.

Daher gilt unsere Solidarität dem Menschen Santos Mirasierra, seiner Familie, seinen Freunden, dem CU84 und der gesamten Anhängerschaft von Olympique de Marseille. Möge dieses Urteil im Revisionsprozess aufgehoben werden, so dass Santos wieder auf Dauer in Freiheit leben kann.

Quellen (Französisch):
http://www.libertepoursantos.com/
http://liberez-santos.over-blog.com/

Linktipps (Deutsch):
http://1a-division.blogspot.com/search/label/Santos%20Mirasierra
http://bava.blogsport.de/?p=170
http://de.youtube.com/
http://www.marca.com/edicion/marca/futbol/1a_division/atletico/es/desarrollo/1187096.html
http://www.ultras-avanti.com/2008/11/11/unterstutzung-fur-santos/

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